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Karneval in Cádiz und Conil


Seit über 500 Jahren ist der  Karneval in Cádiz eine feste Institution, in Conil wird er erst seit Ende der Franco-Diktatur offiziell und öffentlich gefeiert – und dennoch verbindet diese beiden Ortschaften einiges  – zwei berühmte Bürger von Conil beeinflussten den Karneval, so wie er heute gefeiert wird, nachhaltig . Es handelt sich um Paco Alba den Erfinder der Comparsa und "Tio de la Tiza", der Karnevalsdichter, der seine Verse immer mit Kreide auf den Tresen seiner Stamm-Freiduria (Fischbude) geschrieben hat (Tiza=Kreide).


Geschichte

Bereits in der Antike, in alten Griechenland, wurden zu Ehren des Gottes Dionysos, dem Gott des Weines  ausgelassene Gelage gefeiert, die ziemlich ausarteten und deswegen verboten wurden. In Rom  wurden im Dezember die „Saturnalien“, ein Fest zu Ehren des Gottes Saturn gefeiert. Es gab Getränke in großen Mengen, Hinrichtungen waren an diesen Tagen verboten, Sklaven wurden Ihren Herren gleichgestellt und am gleichen Tisch bewirtet. Dieses Fest war sehr beliebt, wo es doch dem „niederen Volk“ ermöglicht wurde, in eine andere Rolle zu schlüpfen. Die Forscher aber bezweifeln, dass hier die Ursprünge des heutigen Karnevals liegen – Tatsache ist jedoch, dass fast auf der ganzen Welt, vor allem in katholisch geprägten Ländern, einmal im Jahr auf der Strasse Feste stattfinden, wo Menschen sich verkleiden, ihre Freude und Ärger hinter Masken, mit Tanz und Gesang ausdrücken, unerkannt und auf legale Weise die Obrigkeiten verspotten können. Der katholischen Kirche passte dieses Treiben natürlich nicht, doch anscheinend ließen sich die Menschen dieses nicht verbieten. Papst Gregor der Große führte um 600 n.Ch. eine 40-tägige Fastenzeit vor Ostern ein, die an die Leidenszeit Jesus Christus erinnern soll. So ist der Karnevalstermin immer von Ostern abhängig – Aschermittwoch ist der letzte Tag vor der Fastenzeit.

In Venedig ist der Karneval schon über 800 Jahre alt (die erste Dokumentation stammt aus dem Jahr 1286). Kaufleute aus Genua und Venedig brachten diesen Brauch in die damals wirtschaftlich einflussreiche Hafenstadt Cádiz, in der sich Seeleute aus aller Welt tummelten. Ein Hauch von venezianischer Renaissance, vermischt mit afrikanischen und kreolischen Gesängen der Sklaven und dazu Händeklatschen aus Andalusien - so muss man sich den Karneval in Cádiz vorstellen, der bereits schon im 16. Jahrhundert gefeiert wurde. Den christlichen Oberhäuptern gefiel dieses Treiben ganz und gar nicht. Bis 1861 erkannte das Rathaus den Karneval nicht an und erließ dann 1884 einige Regelungen, wie erhöhte Überwachung der Strassen und Zensur. 1937 wird der Karneval von General Franco verboten, jedoch ließen sich die „gaditanos“, die Bürger von Cadiz davon nicht abschrecken, heimlich traf man sich in den Bodegas zum singen. 1948 bekam ein Chor (La Piñata Gaditana) Auftrittserlaubnis, es begann eine Zeit des „gezähmten Karnevals“, aber zumindest konnte die Tradition weiterleben, wenn auch eingeschränkt. 1977, nach Francos Tod bekam der Karneval wieder seinen alten Stellenwert. Unter neuer Meinungsfreiheit konnte sich dieser Brauch nun kontinuierlich weiterentwickeln und bekam viele neue Facetten.



Cádiz

Heute ist der Karneval aus Cádiz nicht mehr wegzudenken und ist eines der wichtigsten Ereignisse der Stadt - für die Mitwirkenden sind die Karnevals-Gruppen, das was die Samba-Schulen für Rio sind. Nicht zuletzt ist das mehrtägige Fest auch von großer touristischer Bedeutung, das jährlich tausende von Besuchern anlockt.

In Cádiz kann man auf verschiedene Art und Weise am Karneval teilnehmen: als Sänger in einem Chor, Chirogota oder Comparsa, aktiv beim Umzug (cabalgata), sich verkleiden oder einfach nur dem Treiben zuschauen und mitfeiern etc.

Die Karnevals-Gesangsgruppen sind dabei der wichtigste Bestandteil. Bereits Wochen vor Beginn des Karnevals bereiten sich diese Gruppen vor, um im berühmten „Falla“-Theater aufzutreten und um die Gunst des Publikums zu werben. Die Auftritte werden live im Fernsehen übertragen und von der ganzen Provinz mit Begeisterung angeschaut und darüber diskutiert.

Die comparsas“ tragen Ihre Lieder zweistimmig vor und bestehen aus ca. 15 Sängern. In den „coros“ singen bis zu 35 Sänger  dreistimmig und fahren oft mit Traktoren musizierend durch die Stadt. Die „cuartetos“ rezitieren mehr als sie singen und bestehen aus 3-5 Sängern.  Am ältesten sind die chirigotas, die einstimmig singen und max. 12 Mitglieder haben. Instrumentalisch  werden die Gruppen von Pauken, Trompeten, Gitarren, Lauten und Pfeifen oder Tröten begleitet.  Die „romancieros“, sind einzelne Sänger, die erzählend ihre Satire vortragen.  Die Texte sind sehr wichtig bei allen einzelnen Gesangsgruppen und man wird als Auswärtiger nicht sehr viel verstehen, da es meistens lokaltypische Wortspielereien sind, im Dialekt von „Cai“ (Cádiz) natürlich. Es wird in der Regel die Lokalpolitik und sonstige auch weltpolitische Ereignisse des vergangenen Jahres witzig und humorvoll, aber auch sehr bissig durch den Kakao gezogen.

Nach dem Finale des Gesangswettbewerbs im ausverkauften „Teatro de Falla“ , das die ganze Nacht (Donnerstag auf Freitag vor Aschermittwoch)  dauert, beginnt der Karneval. Die teilnehmenden Gruppen ziehen durch die mit Menschen gefüllten Strassen der Altstadt und singen dort weiter. Die ganze Stadt ist im Partyfieber, arbeitsmäßig ist die Stadt lahm gelegt.  In der Nacht von Samstag auf Sonntag ist am meisten los, es reisen Besucher aus allen Teilen Spaniens und auch aus dem Ausland an, fast alle Menschen sind auf der Strasse und viele verkleidet. Am Sonntag wird tagsüber weiter gefeiert, es findet ein Karussell der Chöre (Carusel de Coros) statt, es werden stundenlang von den Chören Lieder vorgetragen – ein weiterer Höhepunkt ist der große Umzug durch den neueren Teil von Cádiz , die Avenida. Rosenmontag ist Feiertag (nur in Cádiz , die restliche Provinz muss arbeiten),  Während der kommenden Woche nehmen die Aktivitäten etwas ab, es finden jedoch weitere Gesangswettbewerbe statt, am Aschermittwoch wird die Faschingskönigin gekrönt. Um noch die letzten Karnevalstage voll auszuschöpfen wird das Treiben am Freitag wieder bewegter. Nun wird hauptsächlich im „La Viña“-Viertel gefeiert, nachts machen die Narren die Strassen des Viertels unsicher und es gibt ein weiteres Chor-Karussell. Ein kleiner Karnevalsumzug „cabalgata chica“ findet am Samstag, dem „sabado de piñata“ statt, danach am Faschingssonntag „domingo de piñata“ wird die Hexe Piti am Caleta-Strand verbrannt und anschließend wird ein großes Anschlussfeuerwerk vom Castillo San Sebastian aus angezündet. Der offizielle Karneval ist nun vorbei, jedoch für die ganz Unersättlichen gibt es noch am nächsten Wochenende den „Carnaval Chiquito“.

Auch gastronomische Höhepunkte fehlen nicht während des Karnevals: die „Pestiñada“, „Ostionada“ und „Erizada“ – am Plaza San Francisco erhält man „pestiños“ (ein in Honig getauchtes, frittiertes Ölgebäck), im Viertel Mendidero werden auf der Straße und in den Bars Austern (ostiones)  gereicht und im La Viña-Viertel gibt es Seeigel (erizos).

Weitere Infos zum Karneval von Cádiz:
www.carnavaldecadiz.com
www.muchocarnaval.com


Conil

In Conil ist der Karneval hauptsächlich ein Fest der Jugend. Auch hier gibt es einige Karnevalsvereine, wie die Peña Cadista, Peña de los Jabigueros. Diese organisieren Auftritte von „Comparsas“ und „Chirigotas“ aus Conil und Umgebung an verschiedenen Plätzen im Freien oder auch in Gaststätten. Wie auch in Cádiz – gehört das Essen immer dazu – traditionell ist schon  die „Mejilloná“ (Muschelessen) – seit 20 Jahren, die „Tortillá“ (Tortilla-Essen) und ganz neu ist die „Morcillá“ (Blutwurst) - während der musikalischen Darbietungen, werden an Ständen Getränke ausgeschenkt und dazu bekommt man immer einen Teller mit einer dieser Delikatessen.

Der Samstag nach Aschermittwoch ist in Conil Karnevalshöhepunkt – am späten Nachmittag findet der große Umzug durch den Ort statt und danach findet am Plaza Torre de Guzmán ein großer Maskenball mit Tanz und Live-Musik statt – ganz traditionell seit vielen Jahren schon mit der Gruppe Cybión. An diesem Abend und in dieser Nacht sind fast alle Menschen verkleidet – manche sehr originell – auffällig ist, dass viele Männer sich als Frauen verkleiden.

Wie in Cádiz, wird auch in Conil noch weitergefeiert. In den darauf folgenden Tagen finden weitere  Feste statt - es treten die Gewinnergruppen auf  und  verschiedene Vereine organisieren  gastronomische Feste wie die Paellada Popular, Chicharrona Popular und die Cochiná Popular .

Fotos: Ambrosio Sanchez


VIDEOS
Nostalgischer Rückblick: Karneval in Conil, 1996

Maskenball mit der Gruppe "Cybion"

Karnevalsumzug - Cabalgata


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