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Vejer de la Frontera


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Text: Petra Scheiwe (www.lingualuz.com)

Vejer de la Frontera, ein typisches andalusisches Städtchen, das zu den vielbeschriebenen „pueblos blancos“ gehört, wurde nun schon des Öfteren in mehreren deutschen Zeitungen und Zeitschriften als einer der schönsten Orte Spaniens erwähnt. Nähert sich der Reisende von Osten oder Norden, ist Vejer schon von Weitem zu erkennen, es thront sozusagen auf einem rund 200 m hohen Berg über dem Mündungsgebiet des Flusses Barbate.

Archäologische Ausgrabungen geben Aufschluss über menschliche Aktivitäten in dieser Gegend seit der Steinzeit, in der Bronzezeit war Vejer bereits ein befestigtes Dorf und man vermutet, dass es sich bei den Beschreibungen über „Oppidum“, genant „Besaro“, von Plinius dem Älteren eben um den Vorläufer von Vejer de la Frontera handelte. Abgesehen von ihren Straßen, die bis vor wenigen Jahrzehnten noch in Gebrauch waren, haben die Römer weitere Spuren hinterlassen, wie den „Horno del Chorrillo“, einen an einem gleichnamigen Brunnen gelegenen Brennofen, wo Reste von römischer Keramik gefunden wurden.
Im Jahre 711 kam es zur Schlacht von „La Janda“, hier besiegte der Berber Tarek das überlegene Heer von Don Rodrigo. Danach folgten fünfeinhalb Jahrhunderte maurischer Herrschaft, hierbei war Vejer dem Verwaltungsbezirk von Medina Sidonia unterstellt. Ein Teil des reichen maurischen Kulturerbes blieb bis heute erhalten, wie das Burgtor, einige Abschnitte der Stadtmauer und nicht zuletzt, der gesamte Straßenverlauf des alten Stadtkerns.
Die christliche Rückereroberung wurde 1285 abgeschlossen, auch danach war die Geschichte Vejers schon durch seine Grenzlage und die ständige Bedrohung durch Angriffe und Eroberungsversuche aller Art äußerst ereignisreich. Auf Einzelheiten soll hier nicht weiter eingegangen werden, erwähnt sei noch die konfliktreiche Zeit während der Besetzung Gibraltars durch die Engländer 1704, die Schlacht von Trafalgar im Jahre 1805 und die Einlagerung französischer Truppen in der Kirche „Iglesia de la Merced“ in der napoleonischen Zeit.

1773, also zwei Jahre vor dem berüchtigten Erdbeben von Lissabon, welches auch Cadiz zerstörte, wurde Vejer und die umliegenden Dörfer von einem Erdbeben erschüttert, wobei u. a. Teile des aus der Renaissance stammenden Nonnenklosters „Nuestra Sra. de la Concepción“ beschädigt wurden. Aus dieser Zeit stammt eines der meistfotografierten Motive Vejers: „El Arco de las Monjas“. Diese Bögen wurden errichtet, um die vom Erdbeben in Mitleidenschaft gezogene Mauer der Klosterkirche zu stützen, da man befürchtete, diese könne gänzlich einstürzen.

“Las Cobijadas de Vejer”,
(dahinter „El Arco de las Monjas“).

Cobijadas sind Frauen gekleidet in der typischen Tracht dieser Gegend. Der maurische Einfluss ist klar zu erkennen, abgesehen von einem Auge, bedeckt ein schwarzer Umhang Körper und Gesicht.

Gemälde von Francisco Prieto Santos;1935;
Museo de Cádiz.

Trifft man nun auf einen Besucher in Vejer, so mag einen dieser nach den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt fragen. Selbstverständlich gibt es einige interessante Gebäude, die einen Moment der Aufmerksamkeit Wert sind und die im Folgenden noch näher beschrieben werden. Die Gemeinde ist auch allgemein sehr an Kultur interessiert und lockt  mit allerhand Kunstausstellungen, Musikveranstaltungen und anderen Festlichkeiten, über die das Tourismusbüro gerne Auskunft gibt. Zu erwähnen sind etwa die „Feria de Abril“, eine Art Frühjahrsjahrmarkt nebst Ausstellung von Rindern und Pferden, Flamencoeinlagen, Dressurreiten, etc. Des Weiteren wird jedes Jahr am Ostersonntag „El Toro Embolao“, also ein Stier mit abgeschnittenen und umwickelten Hornspitzen, durchs Dorf getrieben. Selbstverständlich finden auch nicht nur zu Ostern die in Andalusien üblichen Prozessionen statt. In Montenmedio, in der Nähe von Vejer, wird jedes Jahr ein großes Reitturnier veranstaltet, das Teilnehmer und Besucher aus aller Herren Länder anzieht. Ebenfalls in Montenmedio befindet sich ein Museum zeitgenössischer Kunst, „El Museo de Arte Contemporáneo“, welches das ganze Jahr über geöffnet hat.

Grundsätzlich ist jedoch die Altstadt Vejers, die 1976 unter Denkmalschutz (Conjunto Histórico Artístico) gestellt wurde, selbst die Sehenswürdigkeit. Es handelt sich schon beinahe um ein Labyrinth von Häusern, engen verwinkelten Gassen, Gässchen und Treppchen, wo Sonne aber auch Wind  nicht viel Angriffsfläche finden. Diese maurische Art von Städtebau ist also nicht nur sehr wohldurchdacht und zweckmäßig sondern auch zeitlos und hat bis heute nichts an Reiz verloren.

Foto: Pedro Romero

Versetzen wir uns nun in die Vergangenheit und beginnen mit einem kleinen Rundgang durch das historische Vejer. Dazu musste der Reisende aber erst den Berg erklimmen, der Hauptzugangsweg führte, anders als heute, vom Osten, von La Barca de Vejer hinauf zur Stadt. La Barca heißt so, da früher die Waren den Fluss Barbate hinauf transportiert und hier auf Lasttiere umgeladen wurden. Interessant zu wissen ist ebenfalls, dass flussaufwärts, dort, wo heute der Fluss hinter einem Bergrücken verschwindet und sich nach Osten wendet, früher ein riesiges Seen- und Sumpfgebiet lag, welches erst in der Francozeit trockengelegt wurde und jetzt dem Reisanbau dient. Die letzten Flusskilometer sind jedoch naturbelassen und können auf einem Rundweg durch die  „Marismas de Barbate“ erkundet werden. In La Barca de Vejer, links von der „Venta Pinto“ geht also ein kleiner Weg von der Hauptstraße Richtung Barbate ab, eine alte Römerstraße, die einzige der drei, die einigermaßen erhalten und zugänglich ist. Am oberen Ende, vor dem Stadttor „El Arco de la Villa“ befand sich eine Karawanserei, in diesem Gebäude ist heute ein Hotel und Restaurant untergebracht. Neueren Datums ist die von Palmen umrundete „Plaza de España“ mit einem Springbrunnen in der Mitte, einstmals hatte dieser Platz als Stierkampfarena gedient. Betritt man Vejer durch das oben genannte Stadttor und wendet sich der insgesamt 2,3 km langen Stadtmauer entlang nach rechts, so stößt man bald auf das älteste, mit einem Rundbogen versehene, Stadttor, „El Arco de Sancho IV“. Direkt gegenüber diesem gut erhaltenen Tor befindet sich „La Casa del Mayorazgo“, ein altadeliges Barockhaus. Dessen zwei  wunderschöne Patios können bei den Führungen oder nach Anfrage besichtigt werden.

Durchquert man den zweiten Patio, so gelangt man zu einem der Wachtürme, „El Torre del Mayorazgo“. Im Falle eines Feindangriffs kommunizierten sich die Wachtürme untereinander mit der Hilfe von Rauchsignalen. Bergaufwärts links gegenüber der Stadtmauer steht die Pfarrkirche Vejers, „La Iglesia del Divino Salvador“. Die dreischiffige Kirche und wurde an der Stelle der ehemaligen Moschee errichtet. Der vordere Teil ist im gotischen Mudejarstil des 14. Jh. und der hintere im spätgotischen Stil des 15/16. Jh. gehalten. Angrenzend an die Kirche befindet sich das dritte Stadttor, „El Arco de la Segur“. Es wurde nach einem Relief auf der Innenseite des Tores benannt, welches eine Axt oder ein Beil darstellt. Bleiben wir jedoch innerhalb der Stadtmauer und wenden uns nach Süden, um die Burg von Vejer zu besichtigen. Die Fassade des ursprünglich maurischen Gebäudes stammt aus dem 10. und 11. Jahrhundert. Durch das Burgtor mit einem maurischen Hufeisenbogen gelangt man zunächst in den Hauptinnenhof und von dort aus in den „Patio de Armas“ der einen herrlichen Ausblick auf die Stadt bietet. Westlich der Burg liegt die „Judería“, das Judenviertel Vejers und ein viertes Stadttor „El Arco de la Puerta Cerrada“. Letzteres erhielt den Namen „geschlossenes Tor“, da es fünf Jahrhunderte lang zugemauert war, denn von dieser Seite waren Angriffe von Feinden am wahrscheinlichsten.

Viele Besucher möchten auch einen Blick auf eine der zum Teil gut erhaltenen Windmühlen werfen, wo ab dem frühen 19. Jahrhundert das Getreide gemahlen wurde. Vor dieser Zeit dienten Wassermühlen demselben Zweck. Drei von den Windmühlen stehen im Stadtteil „San Miguel“ und sind von der Altstadt in ca. 10 Gehminuten zu erreichen.

Etwas weiter, ca. 10 km entfernt, liegt El Palmar mit seinem über 4 km langen und 50 m breiten Sandstrand. Dieser Ort gehört ebenfalls zum Gemeindegebiet von Vejer und hat sich in den letzten Jahren zu einem beliebten Surferparadies entwickelt. Selbstverständlich sind hier nicht nur Surfer vertreten, ob der Urlauber nun im Kreis seiner Familie Meer und Strand genießen, einen Strandspaziergang machen, ein Restaurant oder Hotel besuchen oder einfach nur den herrlichen Sonnenuntergang betrachten möchte – hier kommt wirklich jeder auf seine Kosten.

Ebenfalls zum Gemeindegebiet von Vejer gehören die zwei Orte La Muela und Santa Lucia. La Muela, „der Backenzahn“, ist die Bezeichnung für einen Bergrücken nördlich von Vejer, von dem man eine hervorragende Aussicht auf Vejer und die dahinterliegende Küste hat. In la Muela haben sich ein paar Hotels und Restaurants angesiedelt. Einen kleinen Ausflug ist Santa Lucia wert. Zu diesem von Vejer ca. 3 km entfernten Ort führt ein weiterer, sehr romantischer Römerweg, der leider etwas schwer zu finden ist, seitdem die Stadt Vejer den Zugang dieses Weges mit einer nur im August geöffneten Diskothek verbaut hat. Das Wahrzeichen von Santa Lucia ist sein Aquädukt. Es liegt in einer spektakulären Naturlandschaft und ist vermutlich römischen Ursprungs. Später wurde es von den Mauren ausgebaut und perfektioniert.


Zum Abschluss soll noch eine alte Legende erwähnt werden: Es wird erzählt, dass sich in der Maurenzeit ein aus Granada stammende Emir Namens Sidi Ali Ben Raschid in die junge Frau Catalina Fernández aus Vejer verliebte. Das Paar heiratete und als die Mauren aus Spanien vertrieben wurden, wanderten beide nach Nordafrika aus, wo sie sich etablierten und Raschid es bis zum Provinzverwalter der Region Yebala im westlichen Rifgebirge brachte. Dort trat Catalina zum islamischen Glauben über und erhielt den Namen Lal-la Zhora. Sie hatte jedoch so starkes Heimweh nach ihrer Heimat Vejer, dass Raschid seiner Frau zum Trost eine sehr ähnliche Stadt mit dem Namen Xauen oder Chefchaouen erbauen lies.

Vejer und Chefchaouen haben im Jahr 2000 eine Städtepartnerschaft gegründet.


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