Portal für Conil und die Costa de la Luz

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Leute - Gente - Personajes


anda-luz präsentiert Ihnen nachfolgend Spezielles und Typisches aus Conil und Umgebung, vor allem „personajes“  - Menschen, die zwar nicht in die Weltgeschichte eingehen werden, die aber im Zuge der rasanten Entwicklung, die Conil und die Costa de la Luz derzeit erlebt, nicht vergessen werden sollten. Ob Almadraba-Fischer, Flamenco-Sänger, Torrero, Bauer, Barbesitzer, Künstler – ob „puro andaluz“, oder Wahl-Andalusier, ob jung oder alt, ernst oder lustig, traurig oder skurril ....

„Persönlichkeiten, nicht Prinzipien bringen die Zeit in Bewegung“ sagte bereits Oscar Wilde (1854-1900).


Francisco Alba

Gründer des Restaurants "Francisco La Fontanilla"


Beim Frühstück (Cafe und Tostada) im Restaurant „Francisco La Fontanilla"„ hatte ich die Gelegenheit mit Francisco aus seinem Leben zu plaudern.

Er wurde 1934 als Sohn einer Bauernfamilie in Conil geboren. „La vida era dura“ (Das Leben war hart), betonte er gleich zu Anfang. Um Geld für die Familie zu verdienen, arbeitete sein Vater in den 30-er Jahren beim Bau / Asphaltierung der heutigen Nationalstraße (N340) und starb leider sehr früh.

Francisco

Francisco ging zum Militär und lernte nach seiner Rückkehr nach Conil, Antonia Rubio, eine von vier Schwestern deren Familie am Fontanilla Strand eine kleine „chosa“ Hütte mit Reetdach ihr Eigen nannten und neben der Fischerei auch Gemüse anbauten. Im Jahr 1961 heirateten die beiden. Da zu dieser Zeit noch die Fischerboote an diesem Strand lagen, kam Francisco und sein Schwager Pedro 1964 auf die Idee eine kleine Bar zu betreiben, wo die Fischer nach getaner Arbeit etwas trinken und essen konnten. Hier wurden Netze geflickt, Esel wurden mit fangfrischem Fisch beladen und zum Markt in das Dorf gebracht, auch gefeiert wurde auch viel. Die Bar wurde zu einem festen Stützpunkt für die Fischer und später auch für die ersten Touristen, die nach Conil kamen.

Fontanilla

Während des Gespräches mit Francisco, setzte sich ein deutsches Ehepaar zu uns und erzählten eine kleine Anekdote: Die beiden kommen schon seit 40 Jahren jedes Jahr 1 bis 2mal nach Conil. Damals wohnten sie im Hotel Flamenco, das erste Hotel in Conil für ausländische Touristen. Angeblich war der damalige Hoteldirektor etwas geizig und kaufte nur billigen, qualitativ schlechten Fisch. Viele Gäste flüchteten zu Francisco, wo sie zwar nicht so vornehm sitzen konnten, die einfachen Holztische standen damals alle mitten am Strand, dafür aber z.B. fangfrische Langustinos bekamen und genießen konnten.

Nach circa sieben Jahren endete die Zusammenarbeit von Francisco und Pedro, jeder betrieb nun sein eigene Bar, was sich bis heute nicht geändert hat - Das "Francisco La Fontanilla" und direkt daneben"Restaurante Fontanilla" .

Um Geld für die Familie zu verdienen arbeitete Francisco in St. Petri in der Thunfischfabrik (Chanca) und fuhr auch gelegentlich mit den Fischern aufs Meer. 1978 wurde der Hafen von Conil gebaut und die Boote am Strand von Fontanilla verschwanden, es kamen nicht mehr so viele Fischer in das Lokal, dafür aber um so mehr Touristen und auch Ausländer, die sich in Conil niederließen – so auch der Amerikaner Juan Capacha, der nicht nur Stammgast war sondern auch unzählige Momente und Menschen in dieser Zeit fotografiert hat.


Das Restaurant wurde Jahr für Jahr immer etwas erweitert und verschönert. Mittlerweile ist es vor allem durch seinen einzigartigen Standort direkt am Strand eine Institution, gerne besucht von immer wiederkehrenden Touristen sowie auch Einheimischen.

Francisco hat 4 Kinder und mittlerweile 8 Enkel. Sein Sohn Bartolo, der sein Handwerk von der Pieke auf von seinen Eltern gelernt hat leitet inzwischen das Restaurant und sorgt dafür, dass der traditionelle Stil der Gerichte nicht in Vergessenheit gerät ohne dabei neue, moderne Einflüsse zu vernachlässigen. Der mittlerweile über 80-jährige, rüstige und sympathische Francisco lässt es sich nicht nehmen im Lokal präsent zu sein und die Gäste an der Bar - dort, wo alles begann, zu bergrüßen.


Salvador Periañez

Gründer der Peña Flamenca Conileña
"Salvador Periañez"

1977 haben sich in Conil ca. 40 Flamenco-„aficionados“ zusammengetan, darunter auch Salvador Periañez und die Peña Flamenca gegründet.

 

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Ein Amerikaner in Conil, der Fotograf:

"Juan Capacha"


Foto: Juan Capacha, Ausstellung im "Hogar del Pensionista"

Seine größte Leidenschaft waren  die Menschen von Conil, in erster Linie Fischer und Bauern, die er seit den 50-er bis in die 90-er Jahre  in Schwarz- Weiss  in allen Lebenssituationen fotografiert hat - mit einem Blick für das Wesentliche und mit der  Gabe, authentische Momente festzuhalten. Fast jede Familie in Conil besitzt Andenken-Fotos von ihm mit persönlichen Anmerkungen. Die Fotos von Juan Capacha erzählen Geschichten von früher, seine Bilder sind nicht mehr wegzudenken und eine große Bereicherung für das  Kulturerbe von Conil. 

„Juan Capacha“, war bei der amerikanischen Marine Berufssoldat, in Afrika sowie im Vietnamkrieg und dann in Rota stationiert. Er ließ sich bereits  Ende der  50-er Jahre als einer der ersten Ausländer  in Conil nieder. Conileños, die ihn schon aus den Anfangszeiten kennen, erzählen, dass er wohl der „guiri“ ist , der am meisten in Conil „ verliebt“ war.. Er soll jedes Mal, wenn er die Meerenge von Gibraltar mit einem Schiff durchquert hat, Flaschenpost ins Meer geworfen haben mit Botschaften für Conil, die auch angeblich angekommen sind.

Er ist außerdem der erste  Fremde, der ein apodo/mote= Spitznamen bekam:  „capacha“ - einen aus Palmblättern geflochtenen Korb, den er immer mit sich trug.

Eine Dauerausstellung seiner Fotos ist im Hogar del Pensionista installiert und in der Bar „Curro Jimenez“ hängen auch zahlreiche Schwarz-Weiss-Fotos von ihm.  Vor ein paar Jahren hat die Stadt Conil zwei Bildbände herausgebracht „Conil en la Memoria 1+2“, wo ebenfalls sehr viele Fotos von ihm zu finden sind.

Juan Capacha ist im Mai 2015 im Alter von fast 90 Jahren verstorben.

 

yy Eine Begegnung mit Juan Capacha in Conil, 2009



Informationen über die Schule und J.J. Quintero
erhalten Sie hier (mit Hörbeispielen)
:
www.obstinato.es
Juan Jesús Quintero und
die Musikschule "Obstinato"

Wegbereiter der musikalischen Zukunft von Conil

Juan Jesús Quintero, Musiker und Didakt leitet seit ca. 8 Jahren die Musikschule "Obstinato" in Conil . Ca. 100 Schüler im Alter von 3 bis 60 nehmen dort Musikunterricht - Gesang oder ein Instrument, wie Klavier, Saxophon, Gitarre, Schlagzeug u.a..
Das internationale Lehrerkollegium unterrichtet verschiedene Musikrichtungen wie Klassik, Jazz, Flamenco und Volksmusik für Anfänger und Fortgeschrittene. Die Schule ist aus Privatinitiative entstanden, finanziert sich aus den Schüler -Beiträgen - leider erhält sie keine öffentliche Unterstützung, weder von der Stadt Conil noch von der Kulturbehörde in Cadiz- J.J.Quintero, Absolvent des Konservatoriums Manuel de Falla ist ein Multitalent, der bislang sein Leben der Musik gewidmet hat. Als Didakt und Interpret zugleich schafft er es vor allem bei der Jugend von Conil das Interesse an Musik zu erwecken und Talente zu fördern.

Als Komponist und Interpret vertont er auf seinen Platten gerne andalusische Dichter wie Jose Velarde, Lorca und Alberti. Seine letzte CD heißt "Mergablo"


"Hogar del Pensionista" in Conil, Calle Cadiz

siehe hierzu Artikel im Residentenkurier


Estanco Nr. 3 oder "La Tienda de Ramon"
und Juan Pérez - lebendige Geschichte in Conil.
Jeder kommt irgendwann mal daran vorbei: der Tabakladen vor dem Stadttor, Puerta de la Villa. Auf über 150 Jahre Familientraditiion ( 5 Generationen) blickt er nun schon zurück. Der Ururgroßvater von Juan, Ramon Perez Garcia, gebürtig aus Santander, heiratete die Conileña Carmen Vasquez und eröffnete einen Krämerladen, wo man nahezu alles kaufen kaufen konnte. Ein Sohn, der ebenfalls Ramon hieß , führte den Laden ab 1902 weiter und dessen Sohn , der dritte Ramon übernahm ihn bereits im Alter von 16 Jahren und führte ihn während des Bürgerkieges. Dann in den 60-er Jahren stieg bereits Juan, einer von 5 Söhnen ein und übernahm dann den Laden. Er ist zwar immer noch präsent, aber seine Kinder werden den Laden in Zukunft weiter führen. Die Einrichtung - die Regale sind nun schon über 100 Jahre alt und in dessen "Chaos" sich bislang nur Juan auskannte. "Ich hätte Antiquar werden sollen" sagt Juan, der sich von nichts trennen kann. Das Verkaufssortiment hat sich in den letzten Jahren auf Tabakwaren, ein paar Süßigkeiten, Postkarten und etwas Kunsthandwerk beschränkt. Der Laden ist, trotz weniger Rauchern, so etwas wie ein Mittelpunkt von Conil. Im Sommer, immer gut besucht auch von Touristen, die Postkarten, Briefmarken oder Zigaretten kaufen, der Lottoverkaufer vor dem Laden oder die alten Männer, die zu manchen Uhrzeiten einfach vor dem Laden stehen und sich das Treiben auf der Straße anschauen.

Lesen Sie dazu auch den Artikel aus
"EuropaSur"


Juan de Dios ("Juande")

- ehemaliger langjähriger Betreiber der legendären Bar " El Adán" (1979-2003)


Man kann schon sagen, dass Juan de Dios Ramirez Marin eine lokale Persönlichkeit ist - fast jeder im Dorf kennt ihn, vor allem diejenigen die viele Jahre in seinem Lokal in der Calle Peñon Stammgast waren. Das El Adán gibt es immer noch, jedoch hat sich Juande als Wirt zurückgezogen.

Ende der 70er Jahre betrieb der bekannte spanische Sänger und Komponist Kiko Veneno eine Strand-Bar bei Fuente del Gallo.. Als die Bar Ende der Saison zumachte, entschloss er sich eine neue Kneipe in Conil aufzuziehen. Ein ehemaliges Wohnhaus in der Calle Peñon wurde umgebaut und das El Adán wurde 1979 als eines der ersten "Szene-Lokale" (bar de copas) in Conil eröffnet (es wurde nach seinem Sohn, der so heißt, benannt). Juande kellnerte damals schon zusammen mit Kiko in der Bar. In dieser Zeit waren einige bekannte spanische Musiker dort Stammgast, und es gab auch spontane Sessions z. B. mit Camarón, Pata Negra. Als Raimundo Amador mal da war, wurde an dem Abend der ganze Tequila-Vorrat ausgetrunken, berichtet Juande. 1982, nachdem sich Kiko aus der Gastronomie zurückzog, übernahm Juande das Lokal ganz und es wurde mehr oder weniger zum Symbol für die Calle Peñon. "Ich habe mitgekriegt, wie die Bars in dieser Strasse eröffneten und manche auch bald wieder Ihre Pforten schlossen. 1984 eröffnete das El Duende, danach die Bar Sur-Oeste und viele mehr. Die Hochzeit in dieser Strasse war zwischen 1989 und 1992" sagt Juande. In der Tat, am Wochenende wurde der Laden zum Mekka der "movida" aus Sevilla und anderen Großstädten. Das Lokal an sich war ziemlich klein, eher eine dunkle Kellerspelunke, wo es oft nach dem süßlichen Duft von Marihuana roch, die Einrichtung in dem alten Gemäuer mit den weiss gekalkten Wänden und Holzbalkendecke war sehr karg, eine lange Holztheke, hinter der Juande wegen seiner Größe auf einer Holzkiste stand, in einer Ecke, neben den Spirituosen befand sich immer eine Vase mit frischer Petersilie, eine Hexenpuppe hing an der Wand. Getränke wurden nie auf einen Zettel geschrieben, auch wenn der Laden brechend voll war, wusste er, wer wieviel und welches Getränk jemand hatte.
Die Musik , ob Jazz, The Doors, Flamenco oder Abba , war sehr wichtig - anfangs Schallplatten, dann Kasetten und später CDs - Juande wusste immer, welche Musik er zu welcher Zeit auflegen musst, damit die Leute sich wohl fühlen und viel trinken. Jeden Abend, gegen 24 Uhr fand er sich im El Adán ein, auch im Winter bei schlechtem und kaltem Wetter, wenn keine andere Bar auf hatte - irgendjemand kam immer vorbei.

Ender der 90-er Jahre wurde das Lokal um einen Raum erweitert, eine Klima-Anlage wurde eingebaut und später durften Musikbars aus Lärmgründen nicht mehr die Türen offen lassen. Für Juande muss dies schlimm gewesen sein, denn von seinem Standort hinter der Theke konnte er die Leute auf der Strasse gut beobachten und je nachdem wer unterwegs war, legte er die entsprechende Musik au, damit der Laden voll wurde.

2003 entschloss er sich, das El Adán zu verpachten und in den "Ruhestand" zu gehen. Die Zeiten hatten sich auch geändert, es gab mittlerweile eine große Auswahl an Nacht-Bars in Conil, die Jugend hatte andere Bedürfnisse. Nach einigen Pächter-Wechsel, wird die Bar nun von einer Freundin geführt -. Juande ist ab und zu dort anzutreffen, als Gast, vor der Theke

juan de dios

"CURRO JARAMAGO"

curro
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Bei einem Spaziergang letzten Winter an der Flusspromenade von Chiclana fiel mir eine eine Bronze-Statue auf, die einen Mann auf einer Stuhllehne sitzend darstellte. Auf der Tafel stand: "Curro Jaramago, 30.11.1896-28.6.1959".

Während ich mir die interessante Figur anschaute, näherte sich ein kleiner, älterer Mann mit Plastiktüten, lächelte mich an , deutete auf die Statue und sagte, dass er der Enkel dieses Herrn wäre. Ich verglich die beiden – und in der Tat, die Ähnlichkeit war erstaunlich, der gleiche Gesichtsausdruck, die Haltung, die Mütze. Ob es wirklich stimmt, werde ich wahrscheinlich nicht herausfinden, aber nun wollte ich wissen, wer Curro Jaramago aus Chiclana de la Frontera war.

D.Francisco Aragón de la Torre , genannt „Curro Jaramago“ war ein Bohemien, ein guter Beobachter mit wachem Verstand, der nie um eine Antwort verlegen war und ein „Natur-Philosoph“ der ganz besonderen Art. Mit außergewöhnlicher Schärfe gab er instinktiv unbequeme Wahrheiten kund und verunsicherte dadurch viele seiner Mitmenschen.

Er war ein großer Stierkampf und Flamenco-Fan, aber auch ein „Trunkenbold“ (borachin), der von Bar zu Bar zog, in der Hoffnung dass ihm ein Gläschen Wien spendiert wurde. Manchmal bot er als Gegenleistung an, etwas für die Bar zu besorgen (z.B. Eisblöcke) oder auf ein falsch geparktes Auto aufzupassen. Währen er trank, erzählte er gerne Witze oder machte sich zum Narren, dafür erhielt er dann von den Gästen Kleinigkeiten zu essen (meistens Reste). Sein äußere Erscheinung war „zottig“ und schmutzig, unbeholfen in seinem Gang. Er trug eine ausgebleichte Mütze, eine Jacke, die vor Fett triefte und eine Hose, deren Bund knapp unter der Brust saß - offenbar hatte der Spender eine andere Größe.

Curro lebte auf der Straße, wusch sich nicht und schlief auf Pappkartons in überdachten Hauseingängen. Eines Tages wurde er krank und die Ambulanz brachte ihn ins Krankenhaus. Dort wurde er gewaschen, vom Schmutz vieler Jahre befreit, man bettete ihn auf ein sauberes Bett und - Curro starb.

Er führte ein unbekümmertes Leben, nichts konnte ihn erschüttern, denn er hatte ja nichts zu verlieren. Ein Gläschen Wein in irgendeiner Bar und er fühlte sich als der reichste und glücklichste Mensch der Erde.

Bei Facebook gibt es mittlerweile sogar eine Gruppe: EL ESPÍRITU DE "CURRO JARAMAGO" ( HZ, 2011.)


   

 

 


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