

La Janda - ein vergessenes Paradies taucht wieder auf
Text und Foto: Dieter Ützmann
„La Janda“ ist der Name einer ehemaligen Lagune, die sich östlich der N-340 von Vejer über Barbate bis zum nördlichen Bereich von Tarifa erstreckte. Sie galt mit etwa 4.000 Hektar als die größte Spaniens, rechnet man die umliegenden Lagunen hinzu, kommt man sogar auf über 9.000 Hektar.
Sie lag seit jeher auf der der westlichen Vogelflugroute, entweder selbst als Überwinterungsgebiet oder aber, um hier noch einmal Kraft zu tanken vor der anstrengenden Überquerung der Straße von Gibraltar auf dem Weg zum afrikanischen Kontinent. Sie wurde im Winter bevölkert von Tausenden Störchen, Reihern, Wildgänsen und auch im Sommer von einheimischen Vogelarten wie z.B. Flamingos. Etwas Vergleichbares findet man heute noch in der Coto de Doñana.
„Ehemalig“ ist die Lagune aber deshalb, weil man unter Franco in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts beschloss, die Lagune trocken zu legen. Zunächst wurde das damit begründet, die Entstehung von Krankheiten zu verhindern, eine viel größere Rolle dürfte indes die Absicht gespielt haben, zusätzliche landwirtschaftliche Flächen zu gewinnen; dieses vor allem für den Großgrundbesitz. So wurde eine Verordnung erlassen, nachdem derjenige, der eine Fläche entwässert, für einen Zeitraum von 99 Jahren das Recht erhält, diese landwirtschaftlich zu nutzen.
Nachdem hieran die verschiedensten Interessenten gescheitert waren, nahm der spanische Staat selbst die Entwässerung vor, die im Wesentlichen über den Bau von Kanälen und eine Regulierung der umliegenden Flüsse Barbate und Celemin erfolgte.
Im Anschluss wurden den landwirtschaftlichen Betrieben Konzessionen zur Nutzung der Flächen erteilt. Strittig blieb dabei jedoch bis heute die Rechtslage: als 1964 ein neues Bewässerungsgesetz in Kraft trat, beinhaltete dieses, dass die alten Konzessionen für das Eigentum an Feuchtgebieten an den spanischen Staat zurückfielen, zudem wurde 1967 vom obersten spanischen Gerichtshof ein Urteil gefällt, in dem festgestellt wird, dass die Lagune La Janda ihren Status als Binnengewässer und ihr Eigentum als öffentliches Gut beibehält.
Dann passierte über Jahrzehnte erst einmal überhaupt nichts; aus der Rechtslage wurden keine Konsequenzen gezogen, die fortgesetzte landwirtschaftliche Nutzung wurde stillschweigend geduldet.
Seit rund 20 Jahren stellen jedoch verschiedene Umweltorganisationen, allen voran die Amigos de la Janda (aber auch Ecologistas en Acción, Nueva Cultura de Agua, Greenpeace u.a.) die Forderung nach einer Renaturierung der Lagune.
Amigos de la Janda bezeichnete die Trockenlegung als eine der größten ökologischen Katastrophen nicht nur in Spanien, sondern in ganz Europa, dieses nicht nur für den Arten- sondern auch generell für den Klimaschutz.
Auch in wirtschaftlicher Hinsicht sei eine Renaturierung durchaus positiv einzuschätzen: der Naturtourismus (wie er auch und gerade in Conil gepflegt wird) besitzt mittlerweile eine unbestrittene Attraktivität.
Zudem ist festzustellen, dass die Entwässerungsinvestitionen offenbar nicht so wirksame Ergebnisse erzielt haben wie gewünscht: nach kräftigeren Regenfällen füllt sich die Lagune wieder wie von selbst. Die heftigen Unwetter des vergangenen Herbstes und dieses Frühjahrs geben ein beredtes Beispiel dafür.

https://x.com/lorenzomila/status/1904513552880144767
Wenn man berücksichtigt, dass besonders die klimabedingte Aufheizung des Mittelmeeres die Wahrscheinlichkeit von jährlich wiederkehrenden Starkregenereignissen und in der Folge großflächigen Überschwemmungen wahrscheinlich macht, stellt sich eigentlich ohnehin die Frage, ob diese Flächen überhaupt auf Dauer für eine landwirtschaftliche Nutzung geeignet sind.
Nachdem die Junta de Andalucia sich in dieser Frage als Gesprächspartner für nicht zuständig erklärt hatte, wandten sich die Umweltverbände 2003 an das „Ministerio para la Transición Ecológica y el Reto Demográfico“ (MITECO), das spanische Umweltministerium.
Ergebnis des Gesprächs war das Versprechen des Ministeriums, einen „runden Tisch“ zur Renaturierung mit allen Beteiligten einzuberufen.
Auch hier verstrichen wieder fast zwei Jahre; nun endlich hat Anfang Juli 2025 ein erstes Treffen des Umweltstaatssekretärs in Vejer stattgefunden, teilgenommen haben die Umweltverbände, die Bürgermeister und Stadtverwaltungen der Gemeinden Barbate, Benalup-Casas Viejas, Medina-Sidonia, Tarifa und Vejer de la Frontera und eine Vertretung der Nutzergemeinschaft. Nicht vertreten war bisher die Junta de Andalucia-
Der Staatssekretär hatte Erfreuliches zu berichten: Spanien wird die Wiederherstellung von Feuchtgebieten in ganz Spanien als seinen Weg zur Erfüllung des EU-Renaturierungsgesetzes vornehmen. Das Gesetz verpflichtet die Mitgliedsstaaten, bis 2030 20% der Landesflächen zu renaturieren.
Dafür wird von der Regierung ein Etat von mittlerweile 150 Millionen Euro bereit gestellt (davon 30 Millionen von der Europäischen Union). Zudem wurde das Vorhaben für das LIFE-Programm der EU ausgewählt. Gerade die La Janda stößt dabei auf besonderes Interesse.
Das Treffen in Vejer führte noch nicht zu Ergebnissen, vor allem die Nutzergemeinschaft stellte sich gegen die Renaturierung. Hier wird es noch viele Rechtsfragen zu klären geben, und es wird noch ein längerer Weg sein. Man verabredete, sich im September wieder zu treffen.
Vielleicht kann ein Verfahren wie derzeit in der Coto de Doñana dabei weiter helfen: Landwirte erhalten eine großzügige Entschädigung für die Aufgabe von Flächen.
Und wie Lola Illescas, Sprecherin von Ecologistas en Acción aus Conil, betonte: „Immerhin, sie sind gekommen.“