Flamenco
„Los grandes artistas del Sur de España, gitanos o flamencos, ya canten, ya bailen, ya toquen, saben que no es posible ninguna emoción sin la llegada del duende“ (Lorca, Teoría y juego del duende, 1928, Vol. 7, 145)





Über den Ursprung des Flamenco gibt es wenige schriftliche Zeugnisse und zudem viele Theorien über seine Entstehung, selbst Flamenco-Forscher sind sich nicht ganz einig. Fest steht jedoch, dass eine Vielfalt kultureller Einflüsse und ethnischer Gruppen zu seiner Entwicklung beigetragen haben – Spanien wurde von den verschiedensten Völkern besiedelt, erobert und durchquert: u.a. Phönizier, Griechen, Karthager, Römer, Juden, Araber und Gitanos. Sie alle haben die Musik und den Tanz beeinflusst
Außerhalb Spaniens wird Flamenco meistens mit Tanz, Freude und feurigen Andalusierinnen in Verbindung gebracht – Flamenco ist jedoch mehr, es ist ein Lebensgefühl, Ausdruck von Freude, Trauer, Leid und Wut. Anhänger des Flamenco finden sich in allen Bevölkerungsschichten.
Grob wird der Flamenco in Gesang (cante), gefolgt von dem Tanz (baile) und zuletzt dem Gitarrenspiel (toque) unterteilt. Im Flamenco gibt es mehr als 100 „palos“ (Rhythmen).
Über den Ursprung des Flamenco gibt es wenige schriftliche Zeugnisse und zudem viele Theorien über seine Entstehung, selbst Flamenco-Forscher sind sich nicht ganz einig. Fest steht jedoch, dass eine Vielfalt kultureller Einflüsse und ethnischer Gruppen zu seiner Entwicklung beigetragen haben – Spanien wurde von den verschiedensten Völkern besiedelt, erobert und durchquert: u.a. Phönizier, Griechen, Karthager, Römer, Juden, Araber und Gitanos. Sie alle haben die Musik und den Tanz beeinflusst.
Geschichte
Das Wort „Flamenco“ ist erst seit Mitte des 19. Jahrhunderts bekannt, 1881 wurde das erste Flamenco-Café in Sevilla eröffnet ,und erst mit dem Beginn der ersten Tonaufnahmen kann diese Musik dokumentiert werden.
Ende des 19. Jahrhunderts war die Kunst des Flamenco bereits in ganz Andalusien verbreitet. Cádiz bringt Flamenco-Künstler wie El Chiclanita, Dolores und Alonso del Cepillo, José de los Reyes und El Negro del Puerto hervor, und es bestätigen sich Gesangszentren wie San Fernando, Sanlúcar, Chiclana u.a..
Angesichts des großen Enthusiasmus, der diese Kunst hervorrief, wird in Sevilla ein „Café Cantante“ eröffnet. Der Flamenco geht in die Professionalität über.
Einige Künstler der „Generation 27“ u. a Federico García Lorca und Manuel de Falla befürchteten den Verlust der Reinheit (pureza) des Flamenco, für sie war der Flamenco eine Kunst des Volkes und vor allem der Minderheiten, und kein kommerzieller Stil. Daher organisierten sie 1922 in Granada den ersten Wettbewerb des „Cante Jondo“ (tiefer, ursprünglicher Gesang). Ausgezeichnet wurde unter anderem auch der später unter dem Namen Manolo Caracol bekannt gewordene Sänger.
Die Versuche der Veranstalter, den Flamenco dem Volk zurückzugeben, gelangen jedoch nicht. Das Genre wurde immer stärker von Profis beherrscht.
Auch Pastora Pavón, La Niña de los Peines(1890 -1969), nahm an dem Wettbewerb teil. Sie wird von Flamenco-Kennern als wichtigste Sängerin dieses Genres bezeichnet. Die Qualität und Quantität ihrer Aufnahmen, ihre Beherrschung fast aller Flamencostile, ihre künstlerische Persönlichkeit und ihr Vorbildcharakter waren der Grund dafür, dass ihr Lebenswerk bereits kurz nach ihrem Tod von der Junta de Andalucía zum „Kulturgut von besonderem Interesse“ erklärt wurde.
Ein weitere herausragende und wichtige Persönlichkeit in der Geschichte des Flamenco ist Antonio Mairena (1909 -1983). Seine Familie waren gitanos aus dem Schmiedehandwerk, er trat sehr früh schon bei Familienfesten und anderen Fiestas auf, wo er bereits das Publikum begeisterte. An dem Gesangswettbewerb 1922 in Granada konnte er nicht auftreten, weil sein Vater das Geld dafür nicht hatte. Dafür gewann er bei einem anderen Wettbewerb 1924 in Alcalá de Guadaira den ersten Preis. Er wurde zuerst bekannt als Niño de Rafael, erst ab 1930 nannte er sich Niño de Mairena. Sein endgültiger Durchbruch kam 1962, als ihm der Dritte Goldene Schlüssel des Cante verliehen wurde.
Antonio Mairena hat einen ganz bestimmten Stil , den „Mairena“-Stil entwickelt, er begründete den Einflussbereich der andalusischen gitanos in der Kunst des cante jondo. Manche Flamencologen unterscheiden sogar zwischen zwei Flamenco-Perioden: eine vor und eine nach Antonio Mairena. Er ist auch heutzutage noch Vorbild für viele Puristen..
Ende der 50-er und Anfang der 60-er Jahre werden sehr viele „peñas flamencas“ gegründet, eine Art Verein, dem sich Flamenco-Begeisterte anschließen und wo auch unbekannten Künstlern die Möglichkeit gegeben wird, aufzutreten.
Gleichzeitig beginnt die Epoche der Flamenco-Festivals unter freiem Himmel. Es treten Künstler wie Antonio Gades, Cristina Hoyos u.a. auf. Das erste Festival fand im Winter 1957 in Utrera statt. In diesen Jahren unter dem Franco-Regime begann man auch, den Flamenco geschichtlich zu analysieren. Mit Antonio Mairena hält der Flamenco gleichwohl Einzug in die Universitäten, in Kreise von Intellektuellen
LOLA FLORES “ La Faraona“ (1923-1995) ist eine weiter Ikone des Fl amenco, als Sängerin, Tänzerin und Schauspielerin. Sie wurde in Jerez de la Frontera geboren und trat schon mit 16 das erste Mal im Teatro Villamarta in Jerez auf.
Camarón de la Isla
José Monge Cruz, bekannt unter Camarón de la Isla hat für viele Flamenco-Anhänger fast den Status eines Heiligen– sein Bild fehlt in fast keiner Peña Flamenca. Er wurde 1950 in San Fernando ( Isla de León) geboren und sang schon im Alter von 8 Jahren sporadisch in der inzwischen berühmten „Venta de Vargas“, wo er ziemlich schnell berühmte Flamenco-Persönlichkeiten kennen lernte. Nachdem der in dem Film „Amor Brujo“ von Rovira Beleta mitspielte, nahm er im Alter von 16 an dem Cante Jondo-Wettbewerb in Mairena del Alcor teil und gewann dort den ersten Preis, womit sein Erfolg und seine Karriere begann. Es folgten Einladungen zu verschiedenen Festivals und danach ging er nach Madrid. Das bedeutendste Ereignis in dieser Zeit war die Begegnung mit einem jungen Gitarristen aus Algeciras – Paco de Lucia. 1969 bringen sie ihre erste gemeinsame Platte heraus, u.a mit dem Titel „Al verte las flores lloran“ und setzen damit neue Maßstäbe für den „cante jondo“. Die Traditionalisten waren zuerst skeptisch, was sich später jedoch ändern sollte.
1979 begann mit dem Erscheinen der LP „La Leyenda del Tiempo“ von Camarón de la Isla eine neue, sehr spannende, junge Ära des Flamenco. Bei dieser Produktion wurden das erste Mal Rock und Jazzelemente mit dem Flamenco vermischt unter Verwendung von Versen von Federico García Lorca – mit dabei waren Kiko Veneno, Raimundo Amador und der Gitarrist Tomatito. Es beginnt die Ära des „Nuevo Flamenco“. Von jetzt an geht es Schlag auf Schlag, es folgen weitere LPs und viele Festivals.
Camarón stirbt 1992 an Lungenkrebs und wird zum Idol, zum Mythos, zur Legende.Für ausführliche Informationen zu diesem Künstler besuchen sie die offizielle website von Camarón de la Isla (spanisch/englisch) www.lafactoriadelritmo.com
Bereits seit 1989 gibt es in San Fernando die Peña Flamenca „Camarón de la Isla„ , wo regelmäßig Veranstaltungen stattfinden. www.pfccamarondelaisla.com
→ Sehenswerter Dokumentarfilm
Aus San Fernando kommt auch Niña Pastori (*1978), die stark von Camarón beeinflußt wurde. Bereits 1996 nahm sie ihre erste Platte auf, und sie gehört mittlerweile zu den bekannsten Flamenco-Sängerinnen.
ENRIQUE MORENTE (* 1942, Granada) wird von Flamenco-Experten als der größte Flamenco-Sänger aller Zeiten betrachtet. Er revolutionierte den Flamenco wie kein anderer. Er begann als Chorknabe in Granada, ging dann schon in jungen Jahren nach Madrid und veröffentlichte 1967 seine ersten Platte. Zusammen mit dem Gitarristen Manolo Sanlucar trat er als erster „cantaor“ 1970 im Athenäum von Madrid auf. Er reiste um die halbe Welt und gewann viele Preise.
Er war auch der erste, der die Texte von spanischen Dichtern für den Flamenco adaptierte, er komponierte eine Flamenco-Messe, die bis dahin unerreicht war. Er arbeitete lange Zeit mit Hindu-Musikern zusammen, doch sein revolutionärstes Werk ist Omega, das er zusammen mit der Rockgruppe Lagartija Nick aus Granada aufnahm.
Video:Ciudad sin sueño (OMEGA – Morente y Lagartija Nick)
Enrique Morente pfegt auch weiterhin den Dialog mit musikalischen Traditionen anderer Kulturen, in Mallorca gab es 2002 das“ ESPECTÁCULO AFRICA, CUBA, CAÍ.“, wo Musiker aus Senegal, Cuba und Spanien zusammenspielten. Durch diese Art von Projekten gingen die Kritiker sehr hart mit ihm ins Gericht, an seiner Genialität ist allerdings nicht zu zweifeln.
2006 entstand in Zusammenarbeit mit dem Regisseur José Sánchez-Montes der wunderschöne Doku-Konzertfilm „Morente sueña la Alhambra“, u.a. mit Tomatito, Pat Metheny, Juan Habichuela, Khaled, Ute Lemper und Estrella Morente.
Diego "El Cigala "
Diego „El Cigala „(* 1968 in Madrid) , zählt zu den Interpreten des Flamenco Puro sowie zum Flamenco Joven. Ohne seine Wurzeln zu vergessen, ist er offen für neue Entwicklungen im Flamenco. Ein großer Erfolg war seine CD „Lagrimas Negras“ zusammen mit dem kubanischen Pianisten Bebo Valdés
Weitere Infos zum Flamenco
PALO
Jede der andalusischen Provinzen hat seine ganz eigenen „Palos“ ( wörtlich übersetzt: Holzstäbe), seine Flamencostile.
Eine Aufzählung der Palos mit vielen Hörbeispielen finden Sie hier:
chttps://www.andalucia.org/es/flamenco/palos-flamencos
In der Provinz Cádiz z.B. sind die „cantiñas„ zuhause. Diese umfassen die Alegría, die Romera, Mirabrás, die Caracoles sowie die Seguiriya und die Bulería. https://elflamencoensevilla.com/cantinas-cantes-flamencos/
Besonders erwähnenswert sind die „cantes de ida y vuelta“ (hin-und zurück-Lieder). Südamerika-Auswanderer aus Andalusien, die wieder in ihre Heimat zurückgekehrt sind, haben den Flamenco in abgewandelter Form mit zurück gebracht , so z.B. die Colombiana, Tanguillo, Milonga und die Rumba .
DUENDE
- „Duende“ ist ein spanischer Begriff, der oft mit einer tiefen, emotionalen Inspiration oder einem besonderen kreativen Zustand in Verbindung gebracht wird. Ursprünglich stammt das Wort aus der Folklore und bezeichnete ein übernatürliches Wesen oder einen Geist, der in der Natur oder in der Kunst lebte. In der modernen Verwendung bezieht sich „Duende“ häufig auf die leidenschaftliche und intensive Ausdrucksweise in der Kunst, insbesondere in der Musik, im Tanz und in der Literatur.
Der Begriff wurde besonders durch den spanischen Dichter Federico García Lorca populär, der in seinem Essay „Teoría y juego del duende“ (1933) die Idee des Duende als eine Art inneres Feuer oder eine kreative Kraft beschrieb, die Künstler dazu antreibt, ihre tiefsten Emotionen und Erfahrungen auszudrücken. Duende ist also nicht nur eine technische Fähigkeit, sondern auch eine spirituelle und emotionale Dimension, die das Publikum berührt und eine Verbindung zwischen Künstler und Zuschauer herstellt.
In der Flamenco-Kultur wird der Begriff oft verwendet, um die leidenschaftliche Intensität und die emotionale Tiefe eines Auftritts zu beschreiben. Ein Tänzer oder Musiker, der „Duende“ hat, vermittelt eine besondere Energie und Authentizität, die das Publikum in ihren Bann zieht.
SAETA
Die „Saeta“ ist ein dem Flamenco verwandter religiöser Gesang, meistens wird dabei eine „virgen“, eine Marienstatue verehrt. Es ist ein Gesang „a palo seco“, ohne instrumentale Begleitung, wobei es kein eigener Flamencostil ist, sondern textlich abgewandelt aus der Stilgruppe der Tonás . Bei den Osterprozessionen in Andalusien, während der Semana Santa (Karwoche) wird die Saeta in der Regel von einer einzelnen Sängerin oder einem Sänger, spontan, von einem Balkon vorgetragen, die Prozession hält dann während des Gesangs an. Die Saeta entstand als Volksgesang um 1840 – Enrique el Mellizo könnte der erste gewesen sein, der in Cádiz vor einer Heiligenfigur gesungen hat. Einige Jahre später erreichte die Saeta ihre Blütezeit, vor allem durch Interpretationen von La Niña de los Peines, Manuel Vallejo und La Niña de la Alfalfa
SEVILLANA
Dieser Tanz wir oft mit Flamenco verwechselt . Obwohl die Sevillana und der Flamenco beide Teil der andalusischen Tradition sind, unterscheiden sie sich in Stil, Struktur und Ausdruck. Die Sevillana ist ein traditioneller Volkstanz, während Flamenco eine tiefere, künstlerische Form ist, die eine Vielzahl von Emotionen und Geschichten vermittelt.