

Die schwierigste Art der Pferdedressur: Doma en Libertad - Pedro Morillo
Naturtalent aus Vejer macht sich Namen in der Reiterwelt
Text : Andrea Hoffmann; Fotos: Petra Eckerl
VEJER DE LA FRONTERA. Er wollte immer nur das Eine – Reiten. Heute, mit 26 Jahren, hat Pedro Morillo seinen eigenen Reitstall und ist einer der bekanntesten Pferdetrainer in Andalusien. Morillo beherrscht die „Doma en libertad“ (Freiheitsdressur), eine Methode die allein auf Körpersprache und Vertrauen zwischen Pferd und Reiter basiert. Diese Art der Dressur setzt großes Einfühlungsvermögen und Intuition voraus. Talente, die Pedro Morillo in die Wiege gelegt worden sind, denn er hatte niemals Reitunterricht noch wurde er zum Trainer ausgebildet. Alles was er kann und heute oftmals auch zeigt, hat er sich erarbeitet und selbst beigebracht.
Wissen bleibt in den Familien
Bereits als kleiner Junge war sein größter Wunsch ein eigenes Pferd. Doch diesen Traum konnte ihm die Familie nicht erfüllen. Immerhin durfte der kleine Pedro auf dem Pferd der Nachbarn reiten. Auf dem Land ist es seit jeher üblich, dass der Vater sein Wissen und Können an die Söhne weiter gibt. – Pech für Pedro, denn seine Familie waren Bauern aber keine Reiter. „Die Leute hier auf dem Land sind sehr verschlossen“, erklärt er, „mir hat niemand freiwillig etwas beigebracht. Also ich lief umher und beobachtete die Reiter in der Umgebung. Was mir gefiel, versuchte ich nachzumachen, wenn möglich besser. Was mir nicht gefiel, das probierte ich erst gar nicht aus“, erinnert sich Morillo. Man kann sich kaum vorstellen, dass eine solche Methode tatsächlich zum Erfolg führen kann, doch Pedro hat offenbar nicht nur Pferdeverstand sondern auch eine extreme Sensibilität für die Tiere. „Ich ritt auf vielen verschiedenen Pferden und von jedem einzelnen habe ich etwas gelernt“, beschreibt er seine Ausbildung, die sich auf die Pferde als Lehrer konzentrierte.

Das erste Pferd
„Als ich 12 Jahre alt war, bekam ich Bandolero, mein erstes eigenes Pferd. Sein Besitzer wollte ihn verkaufen und machte meinem Vater einen besonders guten Preis. Er hatte mich mit den Pferden gesehen und wollte mir helfen“. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich Pedro bereits einen Namen als Reiter gemacht, so dass ihm die ersten Pferdebesitzer ihre Tiere anvertrauten. Gerne hätte sich Pedro an der königlichen andalusischen Reitschule in Jerez ausbilden lassen, doch die Familie konnte nicht auf seine Arbeitskraft verzichten und hatte nicht einmal ein Auto, um den Sohn zur Schule zu bringen. Trotzdem hat es Pedro schließlich geschafft. 2003, im Alter von 19 Jahren, gründete er seinen eigenen Reitstall und arbeitet seither täglich 14 Stunden mit Pferde


Steiniger Weg
Überhaupt war das Jahr 2003 entscheidend für den Pferdefreund. In diesem Jahr wurde „Tacito“ geboren, dessen Intelligenz und Qualität Morillo bereits in dem Fohlen erkannte. Tacito ist in seinem Stall geboren und stammt von der Stute eines Kunden. Als Bandolero, sein erst achtjähriges Pferd, auf tragische Weise umkam, kaufte er in der selben Woche Tacito. Heute ist das recht kleine und kurze Pferd sein größter Besitz und ständiger Begleiter. Ebenfalls im Jahr 2003 sah Pedro erstmals eine Vorführung der Doma en Libertad, des bekannten Franzosen Jean-François Pignon. „Diese Vorstellung hat mich so sehr begeistert, dass ich anfing sämtliche Bücher zu lesen die ich über dieses Thema finden konnte. Inzwischen gibt es ja auch in Spanien einige Reiter, die die Doma en Libertad trainieren. Wann immer es möglich war, sah ich mir ihre Shows an und begann langsam und spielerisch selbst mit dem Training“, berichtet Morillo.
Heimlich geübt
Da Pedro damals kein geeignetes Pferd besaß, nur den kleinen Tacito, übte er mit dem Pferd eines Kunden, ohne den Besitzer davon zu informieren. „Meine ersten Schritte waren wirklich ganz vorsichtig und langsam. Ich spielte mit dem Pferd, baute eine Verbindung zu ihm auf und lernte. Diese Art des Trainings war ja ganz neu für mich, so etwas hat hier keiner zuvor versucht“. Etwa ein Jahr lang arbeitete Morillo mit dem Pferd, bis er es in einer akzeptablen Form hatte. Doch das Ergebnis hat nie jemand gesehen, denn mit seinen ersten Versuchen ist er nicht an die Öffentlichkeit gegangen. Erst zwei Jahre später entwickelte Morillo zusammen mit zwei Freunden die Idee einer Pferdeshow. Das Konzept ist, dem Besucher die andalusische Kultur näher zu bringen. Und das sind für Pedro vor allem Pferde und Flamenco. „Ich will zeigen, dass wir Andalusier gute Reiter und Pferdeleute sind. Ich bin sicher, das mindestens 80 bis 90 Prozent der einheimischen Reiter Pferdeverstand besitzen und das möchte ich den Zuschauern vermitteln“, erklärt Morillo.
Verschiedene Programme
2006 startete die Show „Arte & Pasion“, bei der es seither zwischen Juli und September Reit- und Dressurvorstellungen sowie Flamenco als Musik und Tanz zu sehen gibt. Obwohl die Veranstaltung inzwischen weithin bekannt ist, bringt sie dem Veranstalter nichts ein. „Wir spielen manchmal vor 30 Leuten, was natürlich sehr schade ist. Den Sommer hindurch machen wir zwar keine Verluste aber verdienen kann man daran nicht. Leider haben wir festgestellt, dass wir von den Hotels der Umgebung nicht unterstützt werden. Offenbar dirigiert man die Touristen lieber zu Hotel eigenen Veranstaltungen und rät sogar von einem Besuch unser Show ab. Aufhören will Morillo aber noch nicht. Er steht zu seinem Programm und wird auch in diesem Sommer wieder auftreten. Seinen Unterhalt verdient er derweil hauptsächlich mit Aufführungen bei Pferdeveranstaltungen in ganz Andalusien und bei Hochzeiten, für die er inzwischen auch über die Grenzen der Provinz hinaus bekannt ist. Meistens arbeitet er mit zwei Tänzerinnen zusammen, die mit dem Pferd in ihrer Mitte Flamenco tanzen. Die Idee zu dieser Choreografie kam Pedro, als er sich die Oper „Carmen“ im Fernsehen ansah. Und sie ist offenbar gut, denn inzwischen wurde die Nummer bereits mehrfach kopiert.
Wer mehr über Pedro Morillo erfahren will, findet seine Homepage unter: www.espectaculoecuestre.com.
Definition Freiheitsdressur (aus: Wikipedia): Die Freiheitsdressur (auch Pferdefreiheit oder nur Freiheit) ist ein Fachbegriff aus dem Zirkus und bezeichnet eine Art der Dressur, gewöhnlich mit Pferden, die nichts mit Reiten zu tun hat wie die Hohe Schule, sondern vom Boden aus nur mit Peitsche, Stimme und Handzeichen geleitet wird (Bodenarbeit).