

Windmühlen
Text / Fotos : Petra Scheiwe

Ähnlich wie der Flamenco, der Stierkampf oder die rassigen Pferde Andalusiens, ist die Windmühle schlechthin ein Symbol der spanischen Kultur. Welcher Spanienliebhaber erinnert sich nicht an den aussichtslosen Kampf Don Quijotes gegen die Windmühlen? Sie waren Anfang des 17. Jahrhunderts die neueste technische Errungenschaft, so etwas hatte er noch nie gesehen!
Wäre Don Quijote jedoch nicht in der Gegend von La Mancha geritten, sondern weiter nach Süden bis an die Küste vorgedrungen, so hätte er sich einen anderen Gegner suchen müssen
Man begann zwar am Ende des Zeitalters des Absolutismus auch hier mit dem Bau der ersten Windmühlen, aber die schlanken, hohen Türme hielten dem starken Wind nicht stand, ihre kunstvoll gearbeiteten Flügel zersplitterten. Am Mittelmeer und selbstverständlich auch am Atlantik sind Windböen über 100km/ Stunde keine Ausnahmen. Das ist Orkanstärke. Also waren die Menschen bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts hier weiterhin auf Wassermühlen angewiesen. Ein Beispiel hierfür ist die im Dorf Santa Lucía (bei Vejer de la Frontera) gelegene Wassermühle, die einst im Besitz des Duque de Medina Sidonia war.
Erst die Einführung der Windmühlentechnik aus der Gegend von Cartagena erlaubte es, robustere Mühlen als die aus La Mancha zu bauen. Diese hielten den starken Windböen stand und brachten den gewünschten Erfolg.
An den Fotos sind die Unterschiede sehr schön zu erkennen. Die Windmühlen aus La Mancha sind schlank und hoch, sie haben 4 rechteckige Flügel mit zumindest 8 Querstreben, die bespannt wurden. Auf den Balearen findet man auch Windmühlen dieses Typs mit 6 Flügeln.


Dagegen sind die Windmühlen vom Cartagena Typ eher untersetzt und kräftiger gebaut, 4 grob behauene Baumstämme bilden insgesamt 8 Flügel zwischen denen 4 bis 8 dreieckige Segel, ähnlich wie auf einem Schiff gespannt wurden. Sowohl Baumstämme und Segel waren leicht zu ersetzen.
Bei beiden Typen ist die Dachkonstruktion drehbar und konnte mittels einer weiteren Stange auf der Rückseite per Hand in den Wind gedreht werden.
In den Niederlanden wurden die Windmühlen von Zaanse Schans wieder in Betrieb gesetzt – ein Publikumsmagnet!
Leider ist dies in dieser Gegend und auch sonst in Andalusien noch niemandem eingefallen. Mancherorts, wie in Vejer de la Frontera, kann man eine Mühle zumindest besichtigen.
Wiederum 200 Jahre später, Ende des 20. Jahrhundert tauchte ein ganz neuer Windmühlentyp auf, die Spanier nennen diese, im Gegensatz zu den alten Windmühlen, „(molinos) eólicos“. Andalusien eignet sich vorzüglich für die Gewinnung von Wind- und auch Sonnenenergie. Manche halten die riesigen Windmühlen für ein notwendiges Übel, andere sagen, sie verschandeln die Landschaft, aber kaum einer findet sie schön. Was ja Don Quijote offensichtlich damals auch nicht tat.
Jedoch, wer weiß? Vieles könnte sich in den nächsten 200 Jahren ändern, auch der Geschmack. Aber das ist ein anderes Thema
